Live-in-Betreuung in Deutschland
Live-in-Betreuung einfach erklärt
Was sie ist, wie sie im Alltag abläuft, wer die Betreuungskraft anstellt, was gesetzlich gilt und was sie kostet. Für alle, die sich zum ersten Mal damit beschäftigen.
Das Wichtigste in Kürze
Eine Betreuungskraft zieht für einen festgelegten Zeitraum bei der Person ein, die Unterstützung braucht, und hilft im Alltag. So bleibt das vertraute Zuhause erhalten.
Wohnt mit im Haushalt
Für den vereinbarten Zeitraum lebt die Betreuungskraft bei der Person, die Unterstützung braucht, und ist im Alltag an ihrer Seite.
Hilfe im Alltag
Kochen, Einkaufen, Körperpflege und Gesellschaft: alles, was allein schwerfällt.
Klare Zeiten und Pausen
Die Bezeichnung 24h meint die Wohnform, keine Dauerarbeit. Arbeitszeiten und Ruhephasen werden vorher fest vereinbart.
Der Pflegedienst bleibt dabei
Medizinische Behandlungspflege wie Wundversorgung bleibt bei Pflegefachkräften. Beides zusammen ist der Normalfall.
Live-in-Betreuung, 24-Stunden-Betreuung und 24h-Pflege meinen im Alltag dasselbe: Eine Betreuungskraft wohnt für eine vereinbarte Zeit im Haushalt der Person, die Unterstützung braucht. Die Bundesregierung hält den Begriff „24-Stunden“ für irreführend, weil er eine Betreuung rund um die Uhr durch eine einzige Person nahelegt. Das ist rechtlich nicht möglich.
Für wen ist Live-in-Betreuung gedacht?
Sie passt, wenn jemand im Alltag Hilfe braucht, aber im eigenen Zuhause bleiben möchte.
Das spricht dafür
- Die Person braucht jeden Tag Unterstützung, aber keine ständige medizinische Versorgung.
- Sie möchte in der vertrauten Umgebung bleiben.
- Im Haus gibt es ein eigenes Zimmer für die Betreuungskraft.
- Angehörige können nicht dauerhaft vor Ort sein.
Das gehört dazu oder spricht dagegen
- Medizinische Behandlungspflege, zum Beispiel Wundversorgung, übernimmt ein ambulanter Pflegedienst.
- Die Betreuungskraft hat Arbeitszeiten, Pausen und einen freien Tag. Für diese Zeiten braucht es eine Lösung.
- Braucht die Person nachts regelmäßig Hilfe, reicht eine einzelne Betreuungskraft oft nicht aus.
- Es zieht ein fremder Mensch ein. Das braucht Platz und Vertrauen.
Was die Betreuungskraft übernimmt, und was nicht
Sie zieht in den Haushalt ein und ist im Alltag an der Seite deines Angehörigen. Diese drei Bereiche gehören dazu.
Haushalt und Alltag
- Kochen und Mahlzeiten vorbereiten
- Einkaufen und Besorgungen
- Wäsche waschen und bügeln
- Wohnung sauber und ordentlich halten
- Begleitung zu Terminen und auf Wegen
Grundpflege
- Hilfe beim Waschen und bei der Körperpflege
- Unterstützung beim An- und Auskleiden
- Begleitung zur Toilette
- Hilfe beim Aufstehen, Hinlegen und Bewegen
- An die Einnahme von Medikamenten erinnern
Gesellschaft und Tagesstruktur
- Gespräche führen und zuhören
- Spaziergänge an der frischen Luft
- Spiele, Vorlesen und gemeinsame Hobbys
- Ein fester Rhythmus im Tag
- Geduldige Begleitung bei Demenz
Und was ein Pflegedienst übernimmt
Medizinische Behandlungspflege wie Wundversorgung, Injektionen oder das Stellen von Medikamenten bleibt bei examinierten Pflegefachkräften. Dafür kommt ein ambulanter Pflegedienst dazu. Beides zusammen ist bei einer 24-Stunden-Betreuung der Normalfall, und wenn ihr noch keinen Pflegedienst habt, hilft die Pflegekasse bei der Suche.
Die Alternativen im Überblick
Live-in-Betreuung ist eine von mehreren Möglichkeiten. Häufig werden sie kombiniert.
Live-in-Betreuung
Eine Person wohnt im Haushalt und hilft im Alltag. Die Pflege zu Hause bleibt möglich.
Ambulanter Pflegedienst
Pflegefachkräfte kommen zu festen Zeiten ins Haus, etwa für Körperpflege oder medizinische Versorgung. Zwischen den Besuchen ist niemand da.
Tagespflege
Die Person verbringt den Tag in einer Einrichtung und schläft zu Hause. Das entlastet Angehörige tagsüber.
Pflegeheim
Die Person zieht um und wird dort rund um die Uhr versorgt. Der durchschnittliche Eigenanteil lag am 1. Juli 2026 im ersten Aufenthaltsjahr bei 3.364 € im Monat.
So sieht eine Woche aus
Die Betreuungskraft wohnt im Haushalt, arbeitet aber nicht rund um die Uhr. Hier siehst du, wie ein Arbeitstag aussehen kann und wie der freie Tag geregelt ist.
Eine Woche: Betreuung an bis zu sechs Tagen, dazu ein freier Tag. Alternativ gibt es zwei freie halbe Tage. Welcher Tag frei ist, stimmt ihr gemeinsam ab.
Ein typischer Arbeitstag
Es gibt keinen starren Dienstplan. Die Arbeit richtet sich nach dem Rhythmus der betreuten Person und verteilt sich meist auf mehrere Abschnitte zwischen 7 und 20 Uhr. Dazwischen liegen Pausen und Freizeit.
Morgens
Aufstehen, Körperpflege, Anziehen und Frühstück, im Tempo der betreuten Person.
Vormittags
Haushalt, Einkaufen, Kochen, Termine oder ein Spaziergang.
Mittags
Gemeinsames Essen, danach Pause. Während der Mittagsruhe der betreuten Person hat die Betreuungskraft Freizeit.
Nachmittags
Gespräche, Spiele, Bewegung an der frischen Luft und Gesellschaft.
Abends
Abendessen, Abendroutine und zu Bett bringen. Danach ist Feierabend.
Nachts
Nachts besteht keine Leistungspflicht. Nur in einem unvorhersehbaren Einzelfall, zum Beispiel nach einem Sturz, hilft die Betreuungskraft. Das gilt dann als Arbeitszeit und wird mit Freizeit ausgeglichen.
Die Eckpunkte
- Üblich sind im Durchschnitt 40 Stunden pro Woche, verteilt auf bis zu sechs Tage
- Pausen und Freizeit liegen zwischen den Arbeitsabschnitten
- Ein freier Tag pro Woche oder zwei freie halbe Tage
- Zwischen zwei Arbeitstagen liegt eine lange Ruhezeit
- Nachts ist die Betreuungskraft im Haus, aber nicht im Dienst
Wie viel gearbeitet wird, steht im Vertrag. Eine einzelne Betreuungskraft kann nicht rund um die Uhr arbeiten.
Wer ist Arbeitgeber? Die Möglichkeiten im Überblick
Für Live-in-Betreuung gibt es kein eigenes Gesetz. Es gelten die allgemeinen Regeln des Arbeits-, Sozial-, Steuer- und Strafrechts. Die Arbeitsgruppe der Bundesregierung unterscheidet mehrere Konstellationen. Vermittlungsagenturen sind in nahezu allen beteiligt.
Arbeitgebermodell
- Wer ist Vertragspartner
- Der Haushalt stellt die Betreuungskraft selbst an
- Wer ist zuständig für Steuern und Sozialversicherung
- Der Haushalt. Es gilt deutsches Arbeits- und Sozialrecht mit Mindestlohn, Höchstarbeitszeit und Urlaub.
Entsendung
- Wer ist Vertragspartner
- Ein Unternehmen im EU-Ausland, bei dem die Betreuungskraft angestellt ist
- Wer ist zuständig für Steuern und Sozialversicherung
- Das entsendende Unternehmen. Mit der A1-Bescheinigung bleibt die Sozialversicherung im Heimatland, höchstens 24 Monate.
Selbstständige Betreuungskraft
- Wer ist Vertragspartner
- Die Betreuungskraft arbeitet auf Grundlage eines Dienst- oder Honorarvertrags
- Wer ist zuständig für Steuern und Sozialversicherung
- Die Betreuungskraft selbst, mit angemeldetem Gewerbe
Vermittlungsagentur
- Wer ist Vertragspartner
- Je nach Modell der Haushalt, die Betreuungskraft oder ein Unternehmen
- Wer ist zuständig für Steuern und Sozialversicherung
- Eine Agentur vermittelt, ist aber nicht in jedem Fall Vertragspartner. Eine behördliche Zulassung brauchen Vermittlungsagenturen nicht.
Ohne Anmeldung gilt es als Schwarzarbeit
Wird die Betreuungskraft nicht angemeldet und gibt es keinen Arbeitgeber, ist das rechtlich Schwarzarbeit. Welches Modell zu deiner Situation passt, hängt vom Einzelfall ab. Eine Rechts- oder Steuerberatung hilft dir dabei.
Was gesetzlich gilt
Diese Regeln gelten unabhängig davon, wer die Betreuung vermittelt.
Mindestlohn
Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 13,90 € pro Stunde, ab 1. Januar 2027 14,60 €. Das Bundesarbeitsgericht entschied 2021, dass entsandte Betreuungskräfte in Privathaushalten Anspruch auf den Mindestlohn auch für Bereitschaftszeit haben.
Arbeitszeit
Auch wer im Haushalt wohnt, arbeitet nicht ohne Grenzen. Es gibt Regeln zu Höchstarbeitszeit, Pausen und Ruhezeit. Eine einzelne Betreuungskraft darf nicht rund um die Uhr arbeiten.
Kein eigenes Gesetz
Der Koalitionsvertrag von 2021 sagte eine rechtssichere Grundlage für die 24-Stunden-Betreuung zu. Die Arbeitsgruppe der Bundesregierung legte im November 2024 ihren Abschlussbericht vor. Der Entwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz enthält keine Regelung für Live-in-Kräfte.
Anbieter brauchen keine Zulassung
Für Vermittlungsagenturen gibt es keine gesetzlichen Mindestanforderungen. Qualität zeigen Anbieter über freiwillige Zertifikate, Mitgliedschaften und Bewertungen.
Die Zahlen, Quellen und Gerichtsentscheidungen stehen im Report „24-Stunden-Betreuung Report 2026“.
Zum ReportKrankenversicherung, A1 und weitere Papiere
Diese Nachweise gehören zu einer rechtlich sauberen Betreuung. Wer sich darum kümmert, hängt vom Modell ab.
Krankenversicherung
Die Betreuungskraft braucht einen Krankenversicherungsschutz. Bei Betreuungskräften aus dem EU-Ausland belegt ihn häufig die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC).
A1-Bescheinigung
Sie belegt, dass eine entsandte Betreuungskraft im Heimatland sozialversichert bleibt und in Deutschland keine Beiträge zahlt. Sie gilt höchstens 24 Monate.
Gewerbeanmeldung
Selbstständige Betreuungskräfte brauchen ein angemeldetes Gewerbe und sorgen selbst für Kranken-, Renten- und Unfallversicherung.
Haftpflicht
Eine Haftpflichtversicherung deckt Schäden ab, die die Betreuungskraft im Haushalt verursacht. Frag nach, ob der Anbieter eine hat und was sie abdeckt.
Rechnung
Eine ordentliche Rechnung brauchst du auch für die Steuerermäßigung. Ob Umsatzsteuer ausgewiesen wird, richtet sich nach dem Sitz des Vertragspartners.
Was kostet Live-in-Betreuung?
Der Monatspreis hängt vor allem von den Deutschkenntnissen der Betreuungskraft ab. Die folgenden Werte stammen aus einer Auswertung der veröffentlichten Preise von 56 Vermittlern vom Oktober 2026.
Einstiegspreise
Die Hälfte der veröffentlichten Einstiegspreise liegt zwischen 2.550 € und 2.860 € im Monat, der Median bei 2.700 €.
Preise prüfen
Ein Monatspreis enthält Lohn, Abgaben, Vermittlung und Reise. Beim gesetzlichen Mindestlohn kostet eine Betreuungskraft bei 40 Wochenstunden allein im Lohn rund 2.409 € brutto im Monat. Liegt ein Preis darunter, frag nach: Wie viele Wochenstunden sind gemeint, wie wird die Betreuungskraft bezahlt und angemeldet, und was ist im Preis enthalten?
Deutschkenntnisse
Bessere Deutschkenntnisse kosten je nach Anbieter 200 € bis 1.000 € im Monat mehr.
Zusätzliche Kosten
Reisekosten, Vermittlungsgebühren und Pauschalen stehen oft nicht im Monatspreis. Vergleichen lassen sich nur die Gesamtkosten über einen Zeitraum.
Kost und Logis
Zimmer und Verpflegung der Betreuungskraft kommen hinzu. Ein Anbieter beziffert sie auf rund 150 € bis 200 € im Monat.
Warum die Preise so verschieden sind
Leistungsumfang, Arbeitszeitannahmen und Beschäftigungsmodell unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter. Preise lassen sich deshalb nur mit Blick auf den Leistungsumfang vergleichen.
Alle Preise sind Anbieterangaben vor Abzug von Pflegegeld und Steuerermäßigung. Sie sind nicht geprüft und keine verbindlichen Angebote.
Alle Preise im ReportWas die Pflegeversicherung und das Finanzamt beitragen
Diese Leistungen verringern, was du selbst zahlst.
Pflegegeld
Es wird gezahlt, wenn die Pflege privat organisiert wird, zum Beispiel 599 € im Monat bei Pflegegrad 3.
Gemeinsamer Jahresbetrag
Für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege stehen 3.539 € pro Jahr zur Verfügung.
Steuerermäßigung
Nach § 35a Einkommensteuergesetz kannst du 20 % der Arbeitskosten absetzen, höchstens 4.000 € pro Jahr.
Pflegereform 2027
Das Bundeskabinett hat am 30. September 2026 den Entwurf eines Pflegeneuordnungsgesetzes beschlossen. Es ist noch kein Gesetz.
Worauf du bei der Auswahl achten kannst
Verbraucherzentralen und Pflegestützpunkte nennen diese Prüfpunkte.
Wer ist Vertragspartner
Steht im Vertrag, mit wem du ihn schließt, und ob es zwei Verträge gibt?
Gesamtkosten
Sind Monatspreis, Vermittlungsgebühr, Reise- und Wechselkosten aufgeschlüsselt?
Kündigung
Wie kurz ist die Kündigungsfrist, und wie lange läuft der Vertrag mindestens?
Ersatz bei Ausfall
Wer stellt eine Vertretung, wenn die Betreuungskraft krank wird oder nicht passt, und in welcher Frist?
Vertragsmuster
Bekommst du den Vertrag vorab zum Lesen?
Siegel
Wer hat geprüft, was wurde geprüft und wie lange gilt es?
Live-in-Betreuung bei CAIR
CAIR vermittelt Live-in-Betreuung und zeigt dir vor der Buchung, wer dein Vertragspartner ist und was die Betreuung insgesamt kostet. Wie das im Einzelnen abläuft, steht in der ausführlichen Erklärung.
Häufige Fragen
Kurze Antworten auf das, was Familien am häufigsten fragen.
Noch Fragen? Wir klären sie mit dir.
CAIR berät dich im kostenlosen Bedarfsgespräch zu deiner Situation. Das Gespräch verpflichtet dich zu nichts.
Diese Seite erklärt allgemein und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Pflegeberatung.









